02. Apr 2021

Neues Klangerlebnis: Renovierung der Orgel in St. Joseph abgeschlossen

Delbrück/Ostenland. Wer auf der Orgelbühne in St. Joseph steht, kann den neuen Klang direkt spüren, wenn der Boden vibriert. Sehr kräftig klingen die frisch gereinigten Orgelpfeifen nun. Und alle Töne sind wieder spielbar. Vor der Renovierung haben die Organisten oft improvisieren müssen, denn der eine oder andere Ton war wegen defekter Elektrik nicht mehr abrufbar. Da im Zuge der Renovierung auch die komplette Spieltisch-Elektrik ausgewechselt wurde, funktioniert nun wieder alles einwandfrei.

Die Pfeifen der Ostenländer Orgel werden über elektrisch gesteuerte Magnete gezogen und so mit der entsprechenden Menge an Wind versorgt. Vor der Instandsetzung durch die Höxteraner Orgelbauer Sauer und Heinemann floss ein hoher Strom durch das Instrument: Wegen stark abgenutzter Kontakte barg das eine erhebliche Brandgefahr. Sebastian Sauer hat nun jeden einzelnen Ton mit einer empfindlich reagierenden 1-Amper-Sicherung geschützt. Fällt mal eine Sicherung aus, fällt bis zur Reparatur auch nur dieser eine betroffene Ton aus. Die Einzelsteuerelektrik ist mit 60-ädrigen Kabelbäumen komplett neu verkabelt, alle Kontakte sind wieder gängig gemacht worden: einmal 56 Kontakte pro Manual, 30 Kontakte im Pedal. „Eine Feith-Orgel besitzt eine solide Technik, die man auf alle Fälle günstiger renovieren als erneuern kann“, sagt Sauer. „Sie ist quasi unkaputtbar.“ Das elektrotechnisch nun auf neuesten Stand gebrachte Instrument besitzt auch ein neues Orgelgebläse. Anders als beim Vorgängermotor aus den 60-er Jahren hören die Gottesdienstbesucher nun gar nicht mehr, dass der Motor anfährt. „Zuvor haben wir im Kirchenschiff das Motorbrummen gehört, bevor der Organist seinen Einsatz hatte“, bestätigt Kirchenvorstand Franz Büser.

Das neue Klangerlebnis beruht auch auf der Reinigung der Pfeifen, ihrer Reparatur und der Intonation sowie dem Stimmen. Während die Holzpfeifen „nur“ nebelfeucht ausgewischt und so von Staub und Ruß befreit wurden, wurden die Metallpfeifen richtig gewaschen, dann einzeln auf jeweils passenden Formen wieder rundiert, also rund gemacht. Auch alle Stimmrollen, die die gewünschte Tonhöhe erzeugen, wurden gerichtet. Die Kernspalten, mit der die Menge an in die Pfeife einströmender und dann schwingender Luftsäule dosiert wird, wurde bei jeder Pfeife mit einem Hämmerchen und Intonierspachtel auf ein adäquates Maß gebracht. Das Klangerlebnis haben die Orgelbauer wieder nahe an den Originalzustand gesetzt: „Das in neobarocker Art gebaute Instrument setzt, wie Musiker sagen, auf kräftige Mixturen: Die Höhen kommen sehr prägnant heraus. Das hat man in der damaligen Zeit bevorzugt. Wir haben nun die Grundtönigkeit angehoben. Jetzt klingt die Orgel nicht mehr ganz so aggressiv, bissig wie einst. Aber dafür klarer und auch lauter“, sagt Intonateur Thomas Heinemann. Beim rein analog durchzuführenden Stimmen der Orgel musste er verschiedene Tonfolgen als feste Parameter einhalten können. „Ganz zum Schluss probiert man dann schon mal einen Bach“, verrät der Kirchenmusiker schmunzelnd.

Auch um die Orgel herum wurde renoviert. „Wir haben alles in einem Zug für die nächste Generation Instand gesetzt“, berichtet Büser. Der Holzunterbau der Orgel wurde neu lackiert, der Boden der Orgelbühne erneuert. Und nicht zuletzt sitzt auch der Organist in neuem LED-Licht, das ihm auf dem Spieltisch die Partituren nun gut ausleuchtet. Der Kirchenvorstand von St. Joseph hatte alle Ostenländer um Unterstützung für die Orgelrenovierung gebeten und dafür Orgelpfeifen-Patenschaften mit Urkunden vergeben. „Bei allen unseren Sponsoren bedanken wir uns sehr herzlich“, sagt Büser. „Vor allem auch bei unseren örtlichen Vereinen und Gruppierungen, die uns ganz besonders tatkräftig unterstützt haben. Wir freuen uns darauf, jetzt die Urkunden verteilen zu können. Und die Fotos mit den Sponsoren-Namensgravuren auf den Pfeifen.“ Insgesamt können 76 Patenschaftsurkunden ausgehändigt werden. 13.600 Euro kamen an Spenden zur Refinanzierung der Arbeiten zusammen.


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