19. Dez 2020

Hoffnung verkünden schwer planbar - Wie das pastorale Team abwägt

Delbrück/Hövelhof. Dienstagabend, 19 Uhr: Das pastorale Team des Raumes Delbrück-Hövelhof ist mit 18 Personen per Videokonferenz zusammengeschaltet. Die Tagesordnung ist umfangreich. Die meiste Beratungszeit nimmt jedoch die Planung für die Gottesdienste zu Weihnachten und Neujahr ein. Über eine Stunde lang wird geprüft und abgewogen, was machbar ist, was nicht. Und darüber gesprochen, was die Menschen von ihrer Kirche erwarten.

Kirchgang zu Weihnachten?
Kirchgang zu Weihnachten?
In diesem Jahr werden viele Gläubige wegen Corona an Weihnachten und Neujahr statt in die Kirche zu gehen (hier: Herz-Jesu Hövelriege) eine private Andacht zuhause feiern oder ein Online-Angebot wahrnehmen. Das pastorale Team des Raumes Delbrück-Hövelhof hat dafür viele unterschiedliche Angebote zusammengestellt.
© Almut Thöring, wortart

„Bei vielen Menschen ist eine große Sehnsucht da, einen Gottesdienst feiern zu können: Nehmt uns in diesen Zeiten nicht die Hoffnung, hören wir in vielen Gesprächen“, sagt Pastoralverbundsleiter Bernd Haase in die Runde. „Aber es gibt genauso auch Äußerungen, die da lauten: „Wie kann man in diesen Zeiten zum gemeinsamen Feiern in eine Kirche einladen, wo doch überall strenge Beschränkungen gelten.“ Verstehen kann Pfarrer Haase beide Sichtweisen.

„Wir befinden uns da in einem Dilemma und werden es nicht allen recht machen können. Ganz gleich, ob wir die Gottesdienste feiern oder ob wir sie absagen werden.“ Die Misslichkeit dieser Situation belastet das Team spürbar, das ist jeder Wortmeldung zu entnehmen. Gemeindereferentinnen, Diakone, Vikare und Pastöre: Sie wollen für ihre Gemeinden als verlässliche Begleiter da sein und ihrem Auftrag, die Hoffnung zu verkünden, gerecht werden. Und sie wollen, dass die Menschen gesund bleiben, was zuhause ganz sicher am besten gelingt. 

„Unsere Hygienekonzepte mit dem notwendigen Anmeldeverfahren sind sorgfältig erstellt und haben sich bewährt. Das bewerten auch die Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina so“, meldet sich Pastor Jürgen Drüker zu Wort. Pfarrer Bernd Haase ergänzt: „Letztlich tragen die Menschen die Verantwortung dafür, wie sie sich entscheiden und dass sie sich an die Auflagen halten. Das betrifft vor allem auch die Zeiten und das Verhalten vor und nach den Gottesdiensten. Da können wir nur an den gesunden Menschenverstand aller appellieren.“

Damit möglichst vielen Menschen zu Weihnachten und Neujahr eine Alternative zum Gottesdienst in der Kirche zur Verfügung steht, hat das Team schon lange im Voraus viele Angebote erstellt. Das ist gut so, denn neben vielen Anmeldungen verzeichnen die Pfarrsekretärinnen inzwischen auch Abmeldungen für die Gottesdienstteilnahme: Wer sich nicht sicher fühlt, bleibt lieber daheim. Einen Leitfaden für eine Andacht zu Hause wurde in über 23.000 Exemplaren an die Haushalte des Pastoralverbunds bereits Anfang Dezember verteilt. Wer leer ausgegangen ist, kann sich diesen Weihnachtsbrief auf der Homepage downloaden.

Neben den Christmetten und Eucharistiefeiern in den Gotteshäusern soll es auch Andachten geben, die draußen stattfinden. Doch nicht alle ursprünglich angedachten Angebote können realisiert werden, weil hier und da die Abstandskontrollen nicht oder nur schwer möglich sind. Und weil Mitwirkende selbst beschließen, die mit den Gottesdiensten verbundene Verantwortung nicht tragen zu können. „Es gibt Heiligabend jedoch auch Andachten im Freien, bei denen wir Fünf-Meter-Abstände für Familien markieren können“, sagt Gemeindereferentin Claudia Großewinkelmann. Das ist machbar, wenn die Teilnehmerzahlen sich in Maßen halten.

Christof Stracke
Christof Stracke
Gemeindereferent Christof Stracke bietet Heiligabend ab 14 Uhr interaktive Gottesdienste per Videoschalte an, die sich an verschiedene Zielgruppen richten.
© Almut Thöring, wortart

Christof Stracke, der erst seit diesem Jahr in Hövelhof zum Team gehört, wollte eigentlich in Delbrück mobile Andachten von einem Oldtimer aus anbieten. Daraus wird nichts. „Möglichst viele Stationen anfahren funktioniert nicht, wenn gleichzeitig alle Teilnehmer ihre Kontaktdaten hinterlassen müssen. Das kann uns außer Kontrolle geraten, zu gefährlich.“ Er hat umgeplant und wird nun interaktive Gottesdienste über eine Video-Plattform anbieten. Neben den live-Streams aus Sudhagen und Delbrück ist das also ein weiteres Online-Angebot zu Heiligabend.

Ab 14 Uhr wird Christof Stracke bis 19 Uhr stündlich eine Andacht feiern, die sich entweder an Familien oder Erwachsene richtet. Die notwendigen Einwahllinks für eine Teilnahme, das ist schnell geklärt, werden ebenfalls über die Homepage abrufbar sein. Aber auch hier gilt, genau wie im realen Gottesdienst: Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Stracke: „Sollte sich jemand nicht einwählen können, ist die Andacht voll besetzt. Dann müssen die Menschen es eine Stunde später noch einmal versuchen.“ Das neue Format wird Stracke, das steht fest, auch am ersten Weihnachtsfeiertag und an Sylvester anbieten.

Um 21.25 Uhr endet die Videokonferenz an diesem Abend. Die Teilnehmer sind erschöpft, mit dem Status quo aber zufrieden. Wenn der Stand der Dinge so bleibt. Andernfalls muss neu entschieden werden. „Den Überblick bei nahezu täglichen Änderungen zu bewahren und auch mitzuteilen, ist schwer“, weiß Haase. „Ein Blick auf unsere Homepage lohnt deshalb immer“, empfiehlt er.

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