01. 05. 2026
Delbrück. Kupfer war nicht nur eines der ersten vom Menschen bearbeiteten Metalle, es ist auch ein besonders langlebiges wie gut zu verarbeitendes Material. Es eignet sich besonders für komplexe Formen wie zum Beispiel den Delbrücker Kirchturm. Das 1958 dort verbaute Kupferblech weist nun, nach knapp 70 Jahren, spröde Stellen und Risse im Material auf. Und zwar an den Stellen, an denen die Kupfertafeln zusammengefügt oder befestigt wurden. Hier kann Feuchtigkeit eindringen und das denkmalgeschützte, über 500 Jahre alte Gebälk beschädigen. Das will der Kirchenvorstand von St. Johannes Baptist verhindern und lässt die komplette Außenhaut des Kirchturms sanieren.

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten werden diese Stellen für ein paar Jahre wegen ihrer kupfernen Farbe erkennbar sein. So lange dauert es, bis das Blech an der Luft oxidiert und dann die schöne, stadtbildprägende grüne Patina aufweist, die das darunterliegende Material sogar schützt. Fachleute sprechen deshalb von „Edelrost“. Bereits vorbewitterte Kupferbleche zu verwenden wäre deutlich teurer.
Etwa Mitte Mai sollen die Bauarbeiten am Kirchturm beginnen, deren Kosten sich nach jetzigem Stand auf rund 700.000 Euro belaufen werden. Die Gewerke sind bereits ausgeschrieben und werden von darauf spezialisierten Betrieben ausgeführt, das Delbrücker Architekturbüro Kellner betreut die Arbeiten und hat die Bauleitung inne.
Mit der Sanierungsmaßnahme einhergehen wird die dann eingeschränkte Nutzbarkeit des Kirchplatzes. Baugerüst und Bauzaun, Material-Lieferzone und Baufahrzeuge fordern Stellfläche ein, die den schmucken Kirchplatz gute sechs Monate beeinträchtigen werden. Vor allem nördlich der Kirche ist dieser Lager- und Arbeitsbereich vorgesehen, während der Westen und Süden rund um die Kirche frei bleiben soll.
„Wir hoffen, dass alle Anliegerinnen und Anlieger des Kirchplatzes die Notwendigkeit der mit der Bauphase verbundenen Unannehmlichkeiten nachvollziehen können und bitten um ihr Verständnis“, so Verwaltungsleiter Stefan Sachnik.
Er hat auch die Stadtverwaltung darüber informiert, dass Veranstaltungen auf dem Kirchplatz bis voraussichtlich Ende des Jahres nur eingeschränkt möglich sein werden. „Denn es müssen auch Rettungsweg und Zufahrt für die Feuerwehr freigehalten werden. Beides erfolgt an der Zuwegung neben der Kreuz-Apotheke“, so Sachnik weiter.
Im ersten Schritt wird der Turm eingerüstet und ein Bauaufzug aufgestellt werden. Die Arbeiten in bis zu 65 Meter Höhe müssen zum jetzigen Zeitpunkt ausgeführt werden, weil das Tageslicht sowie die gute Witterung genutzt werden.
Architekt Frank Kellner erläutert: „Bevor die neue Eindeckung aufgebracht wird, muss am Kirchturm die alte Vordeckung aus Bitumen entfernt und durch eine neue, heute ist das glasfaserverstärktes Material, ersetzt werden.“ Das neue Kupferblech auf dem Delbrücker Kirchdach wird eine Dicke von nicht einmal einem Millimeter aufweisen. Es ist, bedingt durch die Befestigungstechnik, selbst in verarbeitetem Zustand, noch eingeschränkt elastisch und kann sich quasi wie auf Schienen verschieben. Das ist wichtig, um bei Temperaturwechseln die Ausdehnung oder das Zusammenziehen des Materials zu ermöglichen, ohne die Dichtigkeit des Daches zu gefährden.
Die Dacheindeckung wird mit Tafeln aus 0,7 mm starkem Kupferblech durchgeführt, das heutzutage etwa zur Hälfte aus Recyclingmaterial besteht. Auf einen Quadratmeter Fläche kommen durch die Eindeckung 6,23 Kilogramm Gewicht auf das tragende Gebälk des Helmturms als Last. Würde der schiefe Kirchturm mit Schiefer eingedeckt werden, kämen pro Quadratmeter eine Last von bis zu 35 Kilogramm on top. Eine Last, die dem in letzten Jahrzehnten immer schiefer gewordenen Turm, der an seiner Spitze bereits gute 2 Meter aus dem Lot abweicht, nicht zuzumuten wäre.
Um bei den Bauarbeiten das Schieferdach der Kirche nicht zu gefährden, wird es rund um die Baustelle mit Styroporplatten geschützt. Weitere Arbeiten, die dann mit der Einrüstung gleich mit ausgeführt werden, sind die Kontrolle der Aufhängung der beiden außen am Kirchturm hängenden Glocken. Im Innern des Kirchturms müssen, auch aus Sicherheitsgründen, Handläufe und Leitern ersetzt werden. Auch der Blitzschutz wird auf dem fertigen Kirchturm erneuert werden. „Das lassen wir, wenn am Turm eh alles eingerüstet ist, sinnvoller Weise gleich mit erledigen“, erklärt Ingo Sagemüller, stellvertretender Vorsitzender des Delbrücker Kirchenvorstands.
Pastor Manuel Klashörster freut sich darauf, wenn die Messen wieder unter dem sanierten Kirchturmdach gefeiert werden können. „Wer den Haupteingang von St. Johannes Baptist nutzt, tritt direkt ‚wohlbehütet‘ unter dem Kirchendach in unsere Hallenkirche ein. Und weil wir im Zuge der Sanierung auch das Ziffernblatt der Uhr sowie deren Zeiger überarbeiten lassen, sehen die Delbrückerinnen und Delbrücker dann schon von weitem präzise die Uhrzeit.“
